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Der Landgraf Friedrich von Thüringen verleiht der Katharina, der Gemahlin des Heinrich von Luppelsdorf (Leubsdorf), zwei Mark Einkünfte aus dem Dorfe Luppels- dorf sowie Hof und Eigengut im Dorfe Grunnenberg im district Schellenberg, so heißt es in einer lateinisch verfassten Urkunde aus dem Jahre 1365. Dies ist zugleich der älteste bekannte schriftliche Nachweis für unseren Heimatort.

Die eigentliche Entstehung des Weilers dürfte jedoch bedeutend früher gelegen sein. Mit der Besiedelung unserer Region in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts dürfte in enger Verbindung mit der Errichtung der Schellenburg und des einstigen Vorwerks (Jägerhof) das zweireihige Waldhufendorf auf "wilder Wurzel" entstanden sein. Für den Ortsnamen ergeben sich zwei mögliche Deutungen:
1. Dorf am "sich begrünenden Berg" (nach den voran- gegangenen Rodungen)
2. könnte der Name von den Siedlern aus ihrer thüringischen bzw. hessischen Heimat mit- gebracht worden sein. Jedenfalls scheint der Ort einen stetigen Aufschwung genommen zu haben. Im Verzeichnis der jährlichen Einkünfte der Land- grafen von Thüringen und Mark- grafen zu Meissen aus dem Jahre 1378 wird Grunenberg mit Zinszahlungen von 31 Groschen zu Walpurgis und 34 Groschen zu Michaelis aufgelistet. Des weiteren mussten 28½ Scheffel Roggen, 31½ Scheffel Hafer altenburgischen Maßes sowie 28½ Becher Mohn und 11 Hühner gezinst werden.

Anno 1501 zählte Grunebergk laut Türkensteuerregister 15 besessene Wirte (etwa 80 - 100 Bewohner). Aus dieser Zeit datieren auch die ersten bekannten Namen von Ortseinwohnern.

Zu bemerken sei an dieser Stelle, dass sich die Schreibweise des Ortsnamens mehrfach veränderte, so 1330-50: Gruninberg, 1365: Grunnenberg, 1378: Grunenberg bzw. Grunberg, 1501: Grunebergk, 1542: Grunbergk, 1551: Gruneberg, 1552: Grünbergk.

Mit Einführung der Reformation 1539 gehörte der Ort im Kirchen- bezirk Flöha zum Filial Stadt Schellenberg.

Im Jahre 1551 umfaßte der Ort 18 Hufen Land mit 15 besessenen Männern, 2 Häuslern sowie 7 Inwohnern. Nach der teilweisen Zerstörung der Schellenburg befand sich zwischen 1547 und 1568 das kurfürstliche Gerichtszimmer zeitweilig im Grünberger Erbgericht. Von hier aus erfolgte u.a. 1564 die schriftliche Bestätigung des Wappens und der Stadtberechtigung des Städtchens Schellenberg. Laut Augus- tusburger Kirchenbuch fand auch 1564 ein kurfürstliches Hoflager im Ort statt.

Zur Errichtung der Augustusburg 1568/72 hatten auch die Grünberger Bewohner schwere Hand- und Spanndienste zu leisten. In den Kalk- löchern nahe der Plauer Ortsgrenze wurde Kalkstein zum Bau der Burg gebrochen und Kalk gebrannt sowie auf Grünberger Flur Ziegel gestri- chen.

Durch den Markscheider Matthias Öder erfolgte um 1585 im Auftrage des Kurfürsten die erste kartografische Erfassung der Region und unseres Heimatortes.

Ein dunkeles Kapitel der Ortsentwicklung brach mit dem Drei- ßigjährigen Krieg über unsere Heimat herein. Raubend und mordend brachen Kroaten des Holkschen Heeres im August 1632 in die hiesigen Lande ein, auch der "schwarze Tod", die Pest, hielt reiche Ernte. Schließlich drangen am 1. Februar 1637 Schweden aus dem Heer General Baners in unseren Ort ein und legten das Vorwerk nebst 4 weiteren Bauernhöfen in Schutt und Asche. Monatelang hielten sich viele Einwohner mit der notwendigsten Habe und einigen Tieren in den dichten Wäldern bzw. in den noch heute so bezeichneten Schwe- denlöchern verborgen.

Etwa um 1700 gab es kurzzeitige Versuche zum Eisenerzabbau, so in einer Grube "Grün Glück" etwa 100 - 120 m westlich des "Eisenteins", etwa im Verlauf des einstigen Feldweges in Fortsetzung der Kniebreche.

Für das Jahr 1735 weisen erste Belege auf einen Schulunterricht für Grünbergs Kinder hin und für 1737 ist mit Johann David Uhlig der erste Kinderlehrer namentlich belegt.

Nach dem Quatember-Steuer-Kataster von 1749 zählt Grünberg 33 bebaute Grundstücke - das Erbgericht, 12 einhufige Bauerngüter, die Schmiede, 18 Wohnhäuser und ein für Schulzwecke genutztes Gebäude. Unter den etwa 200 Einwohnern befanden sich neben den 13 Bauern und dem Schmied noch 18 Häusler sowie 6 Hausgenossen. 4 Häusler und 1 Hausgenosse fanden dabei in dem neuen Gewerk als Pfei- fenmacher ihr Auskommen.

Der Siebenjährige Krieg brachte neue Heimsuchungen für die Grün- berger. Ein Regiment Dragoner rückte am 31.12.1759 in den Ort ein. 50 bis 100 Mann wurden in jedem Gut einquartiert, erbrachen Scheunen, Böden, Ställe und verfütterten Korn und Gerste. Bei Scharmützeln zwischen Preußen und Österreichern am 17.5.1761 wurde auch die Grünberger Flur in Mitleidenschaft gezogen. Über den 18.6.1762 berich- tete der Chronist Harnisch: "Preußen haben in Grünberg und Metzdorf alles ausgeplündert".

Im Jahre 1770 wird die Größe des Ortes mit 13 Bauern und 18 Häus- lern angegeben.

Auch die Zeit der napoleonischen Kriege 1813 sorgte mit mehrfach wechselnden aber andauernden Belegungen durch französische bzw. österreichische Truppen für hohe Belastungen für die Menschen. Im Oktober 1813 kam es zudem zu blutigen Gefechten der feindlichen Parteien auf Gemeindegebiet und Umgebung.

Als 1820 mit dem Bau der alten Straße von Augustusburg nach Plaue begonnen wurde, errichtete der Erbrichter Röber an der Straße einen neuen Gasthof, welcher die Schankkonzession und Gasthofgerecht- samkeit des Erbgerichtes übernahm.

1828 wurde auf dem heutigen Grundstück Hauptstraße 39 ein neues Schulgebäude, welches bereits eine Glocke besaß, geweiht.

Die Entwicklung der Baumwoll- industrie in der Region, besonders der Baumwoll- spinnerei Hauschild in Hohen- fichte, führte zu einem Wandel unseres Heimatortes vom ursprünglichen Bauerndorf zur Wohnstatt von Fabrikarbeitern, verbunden mit stetigem An- wachsen der Einwohnerzahl. So wuchs die Zahl der Bewohner von 397 im Jahre 1834 über 554 Bürger 1880 auf 645 um 1910. Eine rege Bautätigkeit setzte ein, die dem Ort den Beinamen "Dorf der Fachwerkhäuser" eintrug.

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurde mit dem Bau von Bandoneons durch die Familien Bäßler ein neues Gewerke heimisch, welches über viele Jahrzehnte den Ort über seine Grenzen hinaus bekannt machte.

Der Zuwachs an Bevölkerung macht die Errichtung eines neuen Schulhauses erforderlich, welches am 21.9.1886 samt Uhr und Glockenturm geweiht wurde.

Verbunden mit der Einwohner- entwicklung erfolgte ein reger Aufschwung im Gemeindeleben, der sich in der Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr 1875, eines Militärvereins 1886, des Männergesangsvereins 1887, einer Tesching-Schützen- gesellschaft 1901 und des Turnvereins 1907 widerspiegelte.

Nach dem Brand der Augustusburger Stadtkirche verstärkten sich die Bestrebungen der Christen aus Hohenfichte, Metzdorf und Grünberg zur Bildung eines eigenen Kirchenspiels, welche mit der Weihe der Kirche in Hohenfichte zum 28.11.1896 und der Auspfarrung aus Augustusburg Erfüllung fanden.

Das Eiwohnerwachstum erforderte eine Erweiterung des Schulgebäu- des, die mit dem Anbau eines zweiten Flügels samt Turnhalle 1911 vollzogen wurde. Bis zur Schließung des Unterrichtes an der Grünberger Schule 1984 und darüber hinaus bis in unsere Tage war und ist sie wichtiges Zentrum des dörflichen Lebens. Der Anschluß an die öffentliche Stromversorgung der Stadt Augustusburg im Jahre 1911 führte zu einem weiteren Aufschwung der Dorfentwicklung.

Zwei Weltkriege forderten auch von den Grünbergern ihren Blutzoll und behinderten ein weiteres rasches Fortschreiten. Einschneidende Veränderungen mit der Schaffung der volkseigenen Wirtschaft und dem Übergang zur genossenschaftlichen Produktion in der Landwirtschaft formten in den Jahrzehnten nach dem Ende des II. Weltkrieges auch das Gesicht unserer Heimatgemeinde. Durch die fleißige Arbeit vieler Bürger konnte Anfang der sechziger Jahre die zentrale Wasserversorgung des Ortes ausgebaut und eine asphaltierte Straße durch Grünberg gelegt werden.

Mit den Jahren der Wende und der Wiedervereinigung erlebte und erlebt unser Grünberg neue Belebung, vieles hat sich schon verändert. Wege und manches Plätzchen haben eine ansehnlichere Gestalt ange- nommen. Fleißige Einwohner sind bemüht, ihrem Anwesen ein schöneres Angesicht zu verleihen und den einstigen Ruf Grünbergs als "Dorf der Fachwerkhäuser" wieder zu rechtfertigen. Schließlich keimen auch er- folgversprechende Ansätze für ein neues kulturelles Leben in unserem Heimatdorf.

Verf. K. Meister

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